Cisa Geschichte
Cisa
Augsburges Stadtgöttin
In Randnotizen der aus dem Stift Ursberg stammenden Handschrift „Excerptum ex Gallica Historia“ (um 1135) wird ausführlich von der erfolglosen Belagerung der von keltischen Stämmen zwischen Lech und Wertach errichteten Stadt Cisaris, dem späteren „Augusta Vindelicorum“ (oder „Vindelicum“), unserem heutigen Augsburg, durch die Römer berichtet.
Die Stadt war dieser Überlieferung zufolge nach einem Heiligtum der Göttin Cisa benannt.
Cisa blieb durch die Jahrhunderte im Gedächtnis der Menschen präsent; noch im 19. Jahrhundert betonte Jacob Grimm in seiner „Deutschen Mythologie“ den „Werth der merkwürdigen Überlieferung“ ausdrücklich. Die Kultstätte der Cisa befand sich vermutlich an der Stelle des später dort errichteten Stadtturmes, des Perlach. Sie wurde hier schon in vorchristlicher Zeit als Förderin des Kornbaues und Pflanzens sowie als Göttin der Fruchtbarkeit hoch verehrt.
Die Göttin Cisa fand im Verlauf der Geschichte manche Deutung. Einige Chronisten hielten sie für Isis, andere für Ceres oder Cybele. Hoch über dem Perlachturm dreht sie sich heute noch als goldleuchtendes Wetterzeichen. Fünf Fuß hoch ist die sitzende Gestalt, ihr Haupt schmückt die Mauerkrone. Mit einer Hand hält sie sich an der Stange der Turmspitze fest, in der Hand des anderen, ausgestreckten Armes trägt sie den Pinienzapfen des Stadtwappens. Als der Stadtbaumeister Elias Holl den Umbau des Perlachturmes vollendet hatte, steckte er am 20. August 1615 „das sitzend Bild“ auf die Spitze des Turmes.
Ob es schon vordem als bekrönendes Turm- und Stadtzeichen verwendet worden ist, kann nur angenommen werden. In der Schicksalsnacht des 25/26. Februar 1944 (Zweiter Weltkrieg) ist auch der Perlach ausgebrannt und die achteckige Turmlaterne zusammengestürzt. Mit ihr fiel auch die Figur der Cisa hernieder, blieb aber zum Glück an dem steinernen Geländer des Turmkranzes hängen und musste nur wenig rekonstruiert werden.
In Augsburg war seit dem späten Mittelalter auch ein provinzialrömisches Medusenhaupt bekannt, das in der heutigen Ulrichskirche eingemauert war und sich heute im Römischen Museum befindet. Besonderen Bezug hat die Cisa zum „Antoniushof“ über die Geschichte Peters von Argon (1413 – l452), der dieses Haus, damals „Argon-Haus, des Königs Hörberg“ genannt, von Jörg Amman nach der „Geschichte Augsburgs“ (Geschichtszyklus nach der Reimchronik des Klerikers Küchlin) bemalen ließ.
Auch die Geschichte der Cisa stellte Amman dabei dar. Ob nun Legende oder wahre Geschichte, jedenfalls ist Cisa allezeit von den Augsburgern sehr geliebt und geachtet worden; sie kann als ihrer Stadt stets treu gebliebene Göttin bezeichnet werden. Sie thront hoch oben über der Stadt und hält die Zirbel schützend über unser Augsburg.
